Katastrophale Bedingungen in Schäferhundzucht im Westerwald

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Nachdem die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e. V. erst Ende April massive Tierquälerei in einer Schäferhundzucht in Tettnang (Bodenseekreis) aufgedeckt hatte, folgt jetzt ein weiterer Tierschutzskandal. Diesmal haben die PETA-Ermittler in einer abgelegenen Zuchtanlage für Schäferhunde in Bitzen im Westerwald katastrophale Missstände und mutmaßliche Verstöße gegen geltende Gesetze aufgedeckt.

Am Tag der Recherche habe fast keiner der Hunde, die das Team in Augenschein nehmen konnte, Wasser gehabt. Nach der Tierschutz-Hundeverordnung muss den Hunden aber jederzeit frisches Trinkwasser zur Verfügung stehen. Einige Hunde schienen verhaltensauffällig. Außerdem haben PETAs Ermittler auf dem Gelände des Züchters und im anschließenden Wald zehn Hundeschädel gefunden, darunter auch Schädel junger Tiere. Der Züchter ist im Verein für Deutsche Schäferhunde (SV), einem der beiden größten Vereine innerhalb des Verbands für das Deutsche Hundewesen, organisiert.

Die tierschutzwidrigen Zustände in Bitzen wurden bereits vom Tierschutzverein Altenkirchen bei der zuständigen Veterinärbehörde gemeldet, allerdings ohne dass sich etwas änderte. Im Gegenteil: Der Amtstierarzt teilte dem Verein für Deutsche Schäferhunde mit, dass bei der Zucht alles in Ordnung sei. PETA hat heute Anzeige gegen den Hundezüchter und das Veterinäramt erstattet.

„Das Gelände hinter den Hundezwingern erinnerte stark an einen Friedhof. Die Schädelknochen der Hunde waren teilweise vermodert, zum Teil noch sehr frisch“, erinnert sich PETA-Ermittler Bernd Bünker. „Der Betreiber der Zuchtanlage scheint schon sehr lange tote Tiere im Wald zu entsorgen, jedenfalls wohl nicht zum ersten Mal.“ PETA vermutet, dass die Hunde einen qualvollen Tod gestorben sein und wohl auch keine ausreichende tierärztliche Behandlung erhalten haben dürften. Laut einer Informantin, mit der die Tierrechtsorganisation in Kontakt steht, werden die Tiere vor Zucht-Schauen stundenlang ohne Aufsicht auf einem elektrischen Laufband gedrillt. Dabei werden sie nur am Hals fixiert. „So besteht eine hohe Gefahr des Strangulierens, wenn einer der Hunde keine Kraft mehr zum Laufen hat“, kritisiert Bünker.

Der Züchter ist nur „Hobbyzüchter“. Er betreibt eigentlich ein Altenheim in Hessen. Da er aber mindestens 30 bis 40 Hunde hat, ist seine Zucht aus PETAs Sicht eher als gewerblich einzustufen. Er ist zudem Ansprechpartner der Ortsgruppe Bitzen-Heuzert des Vereins für Deutsche Schäferhunde. Die Zustände in dieser Hundezucht sind keine Ausnahme, sondern laut PETA trauriger Alltag in der Hundezucht. „Egal ob es sich um VDH-Züchter oder andere handelt – immer wieder finden wir bei unseren Einsätzen solche oder ähnliche Missstände“, sagt Bünker. Das einzelne Tier spielt keine Rolle – es geht vielen Züchtern und Händlern lediglich um den Profit an der „Ware Tier“. PETA bittet jeden, der einem Hund oder einem anderen tierischen Gefährten ein neues Zuhause geben möchte, niemals ein Tier von einem Züchter aufzunehmen. Gehen Sie stattdessen in ein lokales Tierheim.

Weitere Informationen: www.peta.de/vdh

Quelle: Presseecho.de, 06.05.2011